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Montag, 23 Oktober 2017
 
 
Projektreise September 2009 PDF Print E-mail

jpgIm September 2009 reisten die beiden Vereinsmitglieder und Studierenden des Ostasiatischen Seminars der Universität zu Köln, Bastian Lankeit und Mira Luthe für ein Praktikum von vier Wochen nach Anhui, um die neue Partnerorganisation unseres Vereins Pu Gong Ying (PGY) zu besuchen. Ziel war es, sich ein Bild von den derzeitigen Lebensumständen der von uns unterstützten Kinder zu machen sowie die Mitarbeiter der neuen Partnerorganisation kennen zu lernenund mit ihnen gemeinsam das Projekt weiterzuentwickeln.:

"Für uns war es sehr wichtig zu sehen, dass das Geld vom Verein wirklich bei den Kindern ankommt und jeder Euro für die Kinder eine Hilfe darstellt."

Teil unseres Praktikums war es, möglichst viele Kinder vor Ort zu treffen. Die Fahrten in die einzelnen Dörfer der Kinder führten uns über holprige Straßen vorbei an ärmlichen Häusern und unzähligen Maisfeldern. Während unseres gesamten Aufenthaltes haben wir versucht, möglichst viele Kinder zu besuchen, doch Umstände wie Krankheit und Regenwetter erschwerten dieses Vorhaben. Bei Regen sind die unbefestigten Straßen in den Dörfern nicht befahrbar.

jpgEinige Kinder besuchten wir zu Hause, andere in der Schule oder an öffentlichen Plätzen. Nach Möglichkeit unterhielten wir uns einen Weile mit ihnen, baten sie unser Formular zu ihrer Person auszufüllen und überreichten ihnen anschließend einen Brief von uns sowie ihr Geld für die Schule und für ihre Lebenshaltungskosten für die kommenden drei Monate. Die Treffen verliefen sehr unterschiedlich, jedes Kind reagierte anders auf uns. Für einige war es die erste Begegnung mit Ausländern, viele waren sehr schüchtern, einige fast ängstlich, andere wiederum erzählten offen über ihren Alltag in Schule und Familie.

Zum Beispiel erzählte uns die zwölfjährige Xiaoling von den Aufgaben, die sie in der Familie übernimmt, seit ihr Vater verstorben ist und ihre Mutter den ganzen Tag arbeitet. Sie unterstützt die Großmutter bei der Hausarbeit und kümmert sich um ihre drei kleineren Geschwister. Trotz dieser Belastung geht sie sehr gerne zur Schule und ist eine gute Schülerin.

Das Beispiel des neunjährigen Hu beweist zudem, dass Stigmatisierung nach wie vor ein sehr großes Problem darstellt. Als wir mit ihm sprechen wollten, begann der kleine Hu heftig zu weinen. Von seiner Lehrerin erfuhren wir, dass seine an AIDS erkrankte Mutter aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wurde und jetzt alleine in einer Hütte außerhalb des Dorfes leben muss. Hu, dessen Vater schon vor einiger Zeit gestorben ist, wohnt jetzt bei seinem Großvater.

jpgDiese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig unsere Arbeit und der persönliche Kontakt mit den Kindern ist. Entsprechend legt auch der PGY-Mitarbeiter Ma Mingjun sehr viel Wert darauf, eine persönliche Beziehung zu jedem einzelnen Kind aufzubauen. Während unseres Praktikums spürten wir sehr stark, dass die Arbeit für unseren Verein eine Herzensangelegenheit für Ma ist. Nicht nur hat er sich bei jedem Kind über die aktuelle Situation zu Hause und in der Schule erkundigt, sondern allen ebenso angeboten, ihn jederzeit anrufen oder ihm schreiben zu können.

Ein besonders schönes Erlebnis war unser Besuch in einem von unserem Verein finanzierten Kinderzentrum. Bastian hatte vorab in Qingdao kistenweise Kinderbücher eingekauft, die wir dem Zentrum schenkten. Bei unserer Ankunft stürmte gleich eine ganze Schar Kinder ins Zentrum. Sie haben sofort die neuen Bücher bewundert und angefangen, in ihnen zu lesen. Wir hätten gerne noch viel mehr für die Kinder getan und es war nicht immer einfach nur für ein kurzes Treffen in das Leben der Kinder zu treten und dann weiter zu fahren. Doch zu sehen, wie wenig es manchmal bedarf, den Kindern zu helfen oder ihnen eine Freude zu machen, freute uns. Für uns war es sehr wichtig zu sehen, dass das Geld vom Verein wirklich bei den Kindern ankommt und jeder Euro für die Kinder eine Hilfe darstellt.

Bericht von Mira Luthe

Zwischenbericht aus Anhui

Hallo nach Köln!

jpgHier nun einmal ein „kurzer“ Zwischenbericht aus Fuyang. Uns geht es hier soweit sehr gut, die Sicherheitsvorkehrungen vor dem chinesischen Nationalfeiertag erleichtern uns allerdings die Arbeit nicht gerade. Wir haben dennoch immerhin bereits ca. 45 Kinder/Schüler treffen können und wollen noch möglichst viele weitere besuchen.

In den ersten Tagen haben wir gemeinsam mit Pu Gong Ying ein verbessertes Ordnungssystem eingeführt, das gesamte vorhandene Material gesichtet und in die neue Ordnung einsortiert. Es gibt nun für jeden Bezirk je einen Ordner mit dem Material über die Kinder („Kinderakte“) und einen Ordner mit den Unterschriftenlisten von den Geldverteilungen. Jedes Kind, das wir sehen, füllt ein von uns entworfenes Formular aus, so dass Ma Mingjun die Entwicklung der Kinder noch besser begleiten kann und sie gegebenenfalls bei Problemen unterstützen kann. Des Weiteren haben wir sämtliches vorhandenes Material digitalisiert und werden es mit nach Köln bringen.

Für Montag ist geplant, an einer Mittel- und einer Grundschule in Fuyang, zu denen auch einige unserer Kinder gehen, Englischunterricht zu geben.

jpgWir konnten außerdem bereits das von uns finanzierte Kinderzentrum besuchen und dort die vielen in Peking gekauften Kinderbücher übergeben – die Kinder haben sich sofort auf die neuen Bücher gestürzt und haben sich riesig gefreut! Wir haben mit den betreuenden Lehrern besprochen, dass die Kinder gegen einen Eintrag in einer Liste auch Bücher mit nach Hause nehmen dürfen, denn sie haben dort im Normalfall sonst keine Gelegenheit zum Lesen.

Mit der ehemaligen Mitarbeiterin von Save the Children, Chen Rongyan, die lange für unser Projekt zuständig war, haben wir gemeinsam mit Pu Gong Ying abgesprochen, dass sie noch einmal zwei Schulungen zum Thema HIV/AIDS an Schulen abhält.

Gestern Nachmittag haben wir lange mit den Mitarbeitern von Pu Gong Ying über die weitere Projektentwicklung gesprochen. Wir sind uns einig, dass eine weitere Aufstockung der Kinderzahl wünschenswert und von der Arbeitslast möglich ist. Es gibt weiterhin viele Kinder, die dringend Unterstützung benötigen. Wenn der Vorstand zustimmt, sollen daher schnell neue Kinder in das Projekt aufgenommen werden.

jpgAn dieser Stelle wollen wir auch berichten, dass Ma Mingjun mit den Kindern wirklich toll umgeht. Er ist vor allen Dingen zu den kleinen Kindern sehr liebevoll, kann aber mit den älteren Schülern gegebenenfalls auch Klartext reden. Man merkt ihm an, dass er sich um gute Beziehungen zu allen Kindern bemüht.

In Jieshou haben wir auch Herrn Zhang vom Bildungsamt kennengelernt, der das Projekt dort bei der Geldverteilung unterstützt. Uns ist sehr positiv aufgefallen, dass er jedes Kind in unserem Programm kennt (auch welche, die die Schule bereits abgeschlossen und das Programm verlassen haben) und über ihre Umstände gut Bescheid weiß.

Was die Aufstockung der Kinderzahl betrifft, möchten wir hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Verein sich darüber im Klaren sein muss, dass viele Kinder in naher Zukunft eine höhere Unterstützungszahlung benötigen könnten. Sechs Schüler besuchen bereits die gebührenpflichtige Gaozhong – die chinesische Oberstufe. Wir haben sie alle getroffen und finden sie alle förderungswürdig für die Universität… Außerdem gibt es einige Mittelschul-Schüler, die bald auf die Gaozhong gehen möchten, auch hier fallen zusätzliche Kosten an. Hier müssen wir uns im Verein einigen, ob wir die weiterführende Ausbildung übernehmen möchten.

jpgDiskutiert wurde auch die Möglichkeit, ein weiteres Kinderzentrum zu bauen. Wir haben bereits eine Schule ausgemacht, die ein Kinderzentrum sehr gut gebrauchen könnte und unserer Meinung nach auch sehr gut betreuen würde. Wir halten das Dorf aus mehreren Gründen für äußerst geeignet für ein neues Kinderzentrum: Erstens ist uns bereits beim ersten Besuch aufgefallen, dass in dem Dorf generell sehr viele Kinder leben, darunter auch mehrere, die Unterstützung von uns erhalten. Zweitens ist das Dorf relativ kompakt gebaut. Das heißt, die dort lebenden Kinder würden ein Kinderzentrum fußläufig erreichen können. Drittens sind die Lehrer der Grundschule auffallend fürsorglich und wissen über die Umstände der Kinder Bescheid. Viertens ist der Ort nicht so weit von Fuyang-Stadt entfernt und kann daher gut von Pu Gong Ying besucht werden. Da in dem Dorf teilweise noch eine hohe Stigmatisierung gegenüber den von HIV/AIDS betroffenen Familien herrscht, wäre das Kinderzentrum zum einen ein eindringliches Zeichen der Fürsorge um diese Menschen und zum anderen ein Ort, an dem gegen diese Stigmatisierung angearbeitet werden kann.

Es gibt noch so viel mehr zu berichten und zu besprechen, aber das sollen nun erst einmal die wichtigsten Punkte gewesen sein.

Wir sind noch eine Woche hier. Wenn es noch neue Aufträge gibt, so lasset sie uns wissen.

Viele Grüße aus Anhui, Basti und Mira

 
 
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