Home arrow Projekte arrow Projektreise Sept. 2012
Montag, 23 Oktober 2017
 
 
Projektreise Sept. 2012 PDF Print E-mail

Projektbesuch September 2012

Zehn Tage im Projekt der AIDS-Waisenhilfe China e.V.

Bericht aus Fuyang von Feng Lu

Als ich am Hauptbahnhof Shanghai ankomme, fühle ich mich mit meinen zwei Koffern wie ein Tourist: Die Reise Nach Fuyang wird noch 10 Stunden dauern. Ich schaue auf mein Ticket und habe keine Ahnung, was in den folgenden zehn Tagen passieren wird. Obwohl ich in China aufgewachsen bin, war ich noch nie in Fuyang in der Provinz Anhui. Was für ein Abenteuer! Ich bin darauf sehr neugierig.

Der Zug fährt über die Städte Nanjing, Suzhou und Heifei. Endlich hält er an der Station Fuyang. Der chinesische Mitarbeiter Ma Mingjun, der bei Pu Gong Ying für die Betreuung dieses Projekts zuständig ist, holt mich am Ausgang des Hauptbahnhofs sehr fröhlich ab. Der große, ordentliche Platz vor dem Bahnhof überrascht mich, hier ist es gar nicht so ärmlich, wie ich vorher dachte.

Ungefähr 20 Minuten später befinde ich mich in meinem Hotel im Stadtzentrum. Wie auch in den anderen Städten in China sind neben dem Hotel Hochhäuser, moderne Kinos und ein schickes Einkaufszentrum.

Besuche bei Kindern

Am zweiten Tag besichtige ich Ma Mingjuns Büro. Wir sprechen viel über meine Aufgaben, seine Arbeit und die Kinder. Ma Mingjun ist sehr offen, in meinen Augen vorbildhaft. Nachmittags treffen wir uns mit Angehörigen des Frauenverbandes, um gemeinsam bei den Kindern im Bezirk Yingzhou die Gelder für das 3.Quartal zu verteilen. Die Fahrt nach Yingzhou führt uns über holprige Straßen, vorbei an ärmlichen Häusern und unzähligen Maisfeldern. Im Vergleich zur Stadt ist es hier ganz anders. Wir steigen aus und laufen vorbei an leer stehenden, zerfallenen Häusern. Einige Leute sitzen am Wegrand und starren uns an. Die 11-Jährige, die wir zuerst besuchen, ist ein Waisenkind. Beide Eltern sind an AIDS gestoben. Sie wohnt bei ihrer Großmutter in einem alten Haus. Sie sieht schüchtern aus. Als ich sie anspreche, senkt sie beständig ihren Kopf. Ma Mingjun kennt sich sehr gut mit der Situation des Mädchens aus und redet gewissenhaft auf sie ein. Ich gebe ihr einen Brief, den ich vor der Fahrt geschrieben habe. Ich möchte ihr Mut machen, für ein besseres Leben zu kämpfen.

Wie auch schon frühere Praktikanten, beeindruckt mich Nana sehr. Kurz nach ihrer Geburt wurde sie von ihren Eltern auf der Straße ausgesetzt. Sie wurde von den Nonnen im Kloster großgezogen und ist dennoch ein niedliches, fröhliches Mädchen, das fast immer lächelt. Nana stellt mir viele Fragen: ob ich die Praktikanten Vera und Haiyang kenne; wie mein Leben in Deutschland ist u.s.w. Sehr stolz zeigt sie mir ihre Kalligraphie. Die Nonne erzählt mir, dass die 13-jährige Nana schon wie eine echte Erwachsene ist, die z.B. zuhause sehr viel im Haushalt hilft. Zurück im Hotel denke ich darüber nach: was für ein Wunder? Was für ein Leben, das keine Liebe von Eltern kennt. Die kleine Nana hat sich, aber auch uns viel beigebracht!

Vor der Reise nach China hat Verena, die Praktikantin von 2011, eine große Bitte ausgesprochen. Sie sorgt sich stetig um die 17-jährige Guo Hong Mei. Ihre Eltern sind vermutlich Aids-infiziert. Ihr Vater leidet zudem noch an akuter Tuberkulose. Sie selbst ist körperlich behindert. Hongmei ist blind, kann sehr schlecht hören und nicht richtig laufen. Der Besuch bei Hongmei dauert ungefähr 3 Stunden. Sie wohnt ziemlich weit von der Stadt entfernt. Bei ihr zu Hause gibt es kein einziges elektrisches Gerät. Als wir vor Hongmeis Haus stehen, sagt uns der Nachbar, dass sie bei ihrer Mutter in Krankenhaus sei, wo diese als Putzfrau arbeite. Dort finden wir sie endlich. Sie liegt in einem kleinen Bett, ihr Zimmer ist schmutzig, dunkel und feucht. Ma Mingjun ruft sie laut. Sie kennt seine Stimmung sofort und lächelt uns zu. Ihre Mutter zeigt uns Hongmeis spezielle Bücher und sagt uns, dass sie ein paar Wörter gelernt hat. Als sie das Geld erhalten, sind sie sehr herzlich dankbar. Als Putzfrau verdient Hongmeis Mutter monatlich nur 300 Yuan. Die Lebensbedingung dieser Familie können wir uns nur sehr schwer vorstellen.

Bücherwand im neuen KinderzentrumDas neue Kinderzentrum

Eine wichtige Aufgabe für mich in diesem Praktikum ist, das kürzlich gebaute – und von der AIDS-Waisenhilfe finanzierte – Kinderzentrum zu begutachten. Das Zentrum ist an eine Mittelschule im Bezirk Yingzhou angegliedert. Vorher waren hier zwei ungenutzte Klassenräume im Erdgeschoss.

Jetzt ist es sehr schön umgebaut. Zwei Fenster sind mit blauen Vorhängen dekoriert. Zahlreiche Bücher stehen nach Kategorien geordnet in drei großen Bücherregalen, die an der Wand stehen. In der Mitte des Zimmers steht ein langer Tisch mit 12 Stühlen. Um die Ecke gibt es noch einen Schreibtisch mit einem Computer. Der Schulleiter zeigt mir ein Heft, in dem viele Unterschriften von Kindern, die Bücher ausgeliehen haben sind. Bestimmt haben die Kinder viel Spaß im Zentrum.

Grüner Vorplatz des neuen KinderzentrumsDer Vorplatz der Schule ist auch ein Teil des Kinderzentrums. Er ist zauberhaft, mit vielen Bäumen und einer riesigen Wiese. Eine Tischtennisplatte steht zur Verfügung und ein Basketballplatz lädt zum Spielen ein. Man kann einiges erreichen mit Spenden!

Die Zeit in Fuyang geht sehr schnell vorbei. Nicht nur die Geschichten und Schicksale der Kinder haben mich tief berührt, sondern auch die Mitarbeiter dieses Projekts und die großzügigen Spenden.

Für die Kinder ist die finanzielle Hilfe aber nur ein Teil, noch wichtiger ist für sie zu wissen, dass sich jemand um sie sorgt und dass sie nicht auf sich allein gestellt sind. Dies spüren auch die Mitarbeiter des Projekts und so erscheint ihnen die Arbeit noch einmal so sinnvoll.

 
 
Top! Top!