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Sonntag, 19 November 2017
 
 
Projektreise Oktober 2006 PDF Print E-mail

Projektbesuch von Bettina von Reden, Gründungsmitglied des AIDS-Waisenhilfe China e.V. und seit April 2007 Stellvertretende Vorsitzende.

„Eure Hilfe verändert Schicksale!“

Im Oktober 2006 besuchte ich als Vertreterin des 2004 gegründeten Vereins AIDS-Waisenhilfe China e.V. unsere Projektpartner und mehrere der von uns unterstützten Kinder in Zentralchina. Zu dem Zeitpunkt finanzierten wir bereits für über 100 AIDS-Waisen Schulgeld und je nach Situation den Lebensunterhalt – für uns ein großer Erfolg. Dennoch blieben auf die Entfernung einige Fragen offen und so nutzte ich die Chance, mir alles einmal mit eigenen Augen anzusehen.

Wir arbeiten vor Ort mit Mitarbeitern der internationalen Hilfsorganisation Save the ChildreAktivitätszenter von Save the Childrenn (SC) zusammen, die dort bereits andere Hilfsprojekte für Kinder und HIV-Betroffene durchführen. Neben der langjährigen Erfahrung von SC profitieren wir von der Zusammenarbeit dahingehend, dass SC die Arbeitszeit sponsert und es somit ermöglicht, das Geld komplett an die Kinder oder in abgesprochene Einzelmaßnahmen fließen zu lassen. Wie funktioniert nun aber ganz genau die Arbeit vor Ort? Wie empfinden die örtlichen Mitarbeiter von SC die Mehrarbeit durch unser Projekt und in welchem Maße kümmern sie sich um unsere Kinder? Wie wird im Einzelfall die Verwendung unserer Spenden kontrolliert und Korruption verhindert? Das waren einige der Fragen, die ich mir stellte.

Nach einem kurzen Abstecher in das Projektkoordinationsbüro von SC in Hefei, ging es per Bus über holperige Straßen fünf Stunden lang ins immer ärmlicher und karger wirkende Landesinnere. In der Kreishauptstadt wurde ich von den lokalen SC-Mitarbeitern begeistert empfangen. Sie freuten sich, dass unser Verein nicht nur Geld überweist, sondern dass wir mit diesem Besuch auch echtes Interesse an ihrer Arbeit zeigten. In den nächsten Tagen besuchten sie mit mir mehrere Dörfer im Umkreis von 100 km, oft über Wege, die bei starkem Regen nicht passierbar sind und kaum eines in unter zwei Stunden erreichbar.

Familieneinheiten
Am ersten Tag zeigten sie mir als erstes eine der zwei 2006 eingerichteten Familieneinheiten. Hier leben vier Waisenkinder wie Geschwister mit einem Elternpaar zusammen. Wir trafen zum Beispiel die zwölfjährige Aman, die beide Eltern im Alter von einem Jahr verloren hat. Sie lebte bei Verwandten, die sich kaum kümmerten, sprach nicht und war offensichtlich todunglücklich. Als ihr Großvater, der selber in sehr schwierigen Verhältnissen lebt und sie nicht bei sich aufnehmen konnte, von dem neuen Haus mit "Eltern" hörte, bat er sofort um ihre Aufnahme. Seither ist Aman sehr aufgetaut. Sie spricht noch nicht viel, hat aber in der Schule große Fortschritte gemacht, lacht und hat uns bei unserem Besuch gemalte Bilder aus ihrer Sammlung geschenkt. Die „Eltern“ in der Familieneinheit sind ein Lehrerehepaar, dessen eigene Kinder bereits die Universität besuchen. Sie kümmern sich liebevoll, helfen bei Schulaufgaben und bieten soviel familiären Zusammenhalt wie möglich.

Auch die zweite Familieneinheit ein paar Dörfer weiter wirkte sehr freundlich auf mich. Die beiden Häuser sind nicht schön, aber für die arme Dorfbevölkerung sehr fortschrittlich mit eigenen Zimmern für je zwei Kinder, in denen sie auch Schreibtische für die Hausaufgaben haben, einer hellen Küche, ordentlichen Badezimmern und je einem kleinen eigenen Gemüsegarten. Bau und Einrichtung der Häuser wurden von SC bezahlt; wir finanzieren nun eine monatliche Aufwandsentschädigung von rund 30 Euro für die Eltern und das Schulgeld der Kinder. Diese aus SOS-Kinderdörfern bekannte Art der Unterbringung von Waisenkindern ermöglicht es diesen, in ihrem bekannten Umfeld zu bleiben und in einem liebevollen Familienumfeld statt einem anonymeren, meist weit entfernten Heim unter vielen traumatisierten Kindern aufzuwachsen. Der Einzug dieser zwei Familien in ihre Häuser verwirklicht eine unserer ersten Hilfsideen. Die gute Umsetzung und positiven Auswirkungen, die zum Beispiel bei Aman schon so schnell sichtbar geworden sind, haben mich daher besonders gefreut.

Unterstützung für über 100 Kinder
KinderViele weitere Kinder wollen nicht in solchen Einheiten, sondern lieber bei Verwandten, meistens ihren Großeltern leben. Oft leben diese Restfamilien in großer Armut, denn es ist niemand mehr da, der oder die ernstlich ein Einkommen erwirtschaften könnten. Sie ernähren sich von den eigenen Feldern, haben aber kaum Bargeld. Dies fehlt besonders, wenn es darum geht, Hefte, Stifte, Schulbücher oder etwas zum Anziehen für die Kinder, aber auch solche rudimentären Dinge wie Zahnpasta zu kaufen. Sind die Eltern der Kinder positiv getestet gewesen und somit nachweislich an AIDS gestorben, erhalten die Kinder inzwischen eine staatliche Unterstützung und müssen keine Gebühren für die Schule bezahlen. Wir versuchen daher, besonders den Kindern zu helfen, deren Eltern nicht getestet waren. Mehrere der Kinder, die wir besuchten, hatten aus Geldmangel zwischendurch bereits den Schulbesuch eingestellt und erst durch unsere Finanzierung die Möglichkeit erhalten, weiter zu lernen. Der 11-jährige Qianli konnte noch vor einem guten Jahr kaum schreiben, nun hat er eine Leidenschaft für Schriftzeichen entdeckt und führt uns begeistert eine besondere Fähigkeit vor: Er kann einige Schriftzeichen spiegelverkehrt schreiben. Wenn man das dünne Papier gegen die Sonne hält, sieht man, dass sie richtig geschrieben sind.

Die Tatsache, dass sie etwas Geld zum Haushalt beitragen und sich die Schule selber finanzieren können, bedeutet für viele Kinder vor allem eine große seelische Entlastung. Ein Lehrer erzählte uns, wie die Leistungen des eigentlich begabten 13-jährigen Chengcheng immer weiter nachgelassen hatten, sehr wahrscheinlich wegen des finanziellen Drucks und der Angst, bald die Schule und auf der Suche nach Arbeit die kranke Großmutter verlassen zu müssen. Seit der Junge von uns unterstützt wird, sind seine schulischen Leistungen wieder deutlich besser geworden. Bei meinem Besuch war er fröhlich und scherzte mit Klassenkameraden.

Das Zuhause eines unserer KinderKinder wie dieser Junge erhalten von uns 10 Euro im Monat Unterstützung, da sie sowohl dringend eine Beihilfe zum Unterhalt brauchen, als auch Schulgeld. Chengcheng zum Beispiel ist wegen Mangelernährung deutlich kleiner, als andere Kinder seines Alters, ich hätte ihn höchstens auf neun Jahre geschätzt. Andere Kinder haben das Glück, dass noch ein Onkel oder eine Tante sich um sie kümmern können oder anderweitig für den Lebensunterhalt gesorgt ist. Ihnen fehlt es hauptsächlich am Schulgeld. SC hatte uns daher vorgeschlagen, solche Kinder mit nur fünf Euro zu unterstützen und dafür insgesamt mehr Kinder in das Projekt aufzunehmen. Wir konnten uns nur schwer vorstellen, dass fünf Euro im Monat ausreichen sollten, Kinder in der Schule zu halten. Doch tatsächlich ist die Gegend so arm, dass diese Kinder sich für fünf Euro alles Nötige für einen Schulbesuch leisten und sogar trotzdem noch etwas zum eigenen Lebensunterhalt beitragen können. So hat die verbliebene Familie einen stärkeren Anreiz, die Kinder in der Schule zu lassen.

Die Arbeit von Save the Children HIV-Plakat
In Gesprächen während der langen Autofahrten und wenn wir abends wieder im Büro ankamen, konnte ich mir einen Eindruck von der Arbeit der SC-Mitarbeiter machen. SC führt normalerweise vor allem Schulungen mit Lehrern und Behördenmitarbeitern durch. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Vermittlung von Kinderrechten und zum Beispiel psychologischen Grundkenntnissen, wie Kinder sinnvoll in ihrer Entwicklung gefördert werden können. Zusätzlich ist SC in der HIV-Aufklärung sehr aktiv und unterhält einige Gesundheitsstationen zur Betreuung HIV-Positiver. Bei unseren Fahrten in die Dörfer zeigten mir die SC-Mitarbeiter die inzwischen erfreulicherweise überall angebrachten gut verständlichen Poster und Tafeln, die auf Übertragungswege beziehungsweise unkritische Verhaltensweisen gegenüber HIV-Infizierten hinwiesen. Diese Maßnahmen gegen die Tabuisierung des Themas sind dringend notwendig und werden von den Behörden inzwischen auch geduldet.

Während unserer Besuche inspizierten die Mitarbeiter auch mehrere von SC aufgebaute Aktivitätszentren, in denen Spiel- und Lernangebote für die außerschulische Zeit zur Verfügung stehen und durch gezielte gemeinsame Aktivitäten Stigmata gegen die Kinder von HIV-Infizierten abgebaut werden. Wenn wir spät nachmittags oder während der Mittagspause in einem Dorf ankamen, konnte ich mich von der Beliebtheit der Zentren überzeugen, in denen die Kinder Go lernten, mit Hulahup-Reifen und Bällen herumtobten oder in Kinderbüchern lasen. Die Mehrheit der Zentren wird von HIV-Infizierten Frauen geleitet, die sich so ein kleines Einkommen verdienen können.
Kinder im Aktivitätszenter
„Die Aktivitätszentren sind wichtig und nützlich, aber was hilft es einem Kind, das mangels Geld mit 12 auf der Suche nach Arbeit in den Osten zieht und damit höchst wahrscheinlich jede Chance auf ein besseres Leben verliert? Eurer Geld kann das Schicksal vieler dieser Kinder zum Positiven wenden!“ sagte mir meine Begleiterin nach so einem Besuch, denn SC hat kein Mandat zur direkten finanziellen Unterstützung von Familien oder einzelnen Kindern. Aus vielen Gesprächen in den folgenden Tagen sprach daher bei den vier lokalen SC-Mitarbeitern die Dankbarkeit, dass sie mit unseren Spenden zumindest der schlimmsten Not, mit der sie täglich konfrontiert werden, abhelfen können. Entsprechend konnte ich auch feststellen, dass für die Durchführung unseres Projekts viel Zeit und Mühe, viele eigene Gedanken und großes Engagement aufgewendet wurden. Die Mitarbeiter vor Ort begeisterten mich sowohl mit ihrem persönlichen Engagement und ihrem Verantwortungsgefühl, als auch mit ihrem respektvollen Umgang mit den Kindern.

Zusammenarbeit mit dem örtlichen Frauenverband und Kontrolle
Da SC eine ausländische Organisation ist, müssen sie in China einen staatlichen Partner, die so genannte guakao danwei haben und haben sich für den örtlichen Frauenverband (fulian) entschieden, der in unserem Vertrag als dritte Partei eingetragen ist. Im Zuge unserer Besuche traf ich auch einige Mitarbeiterinnen des Frauenverbands, die im Gegensatz zu den SC-Mitarbeitern leider weniger Respekt oder Warmherzigkeit gegenüber den Kindern zeigten und diese kaum als Gesprächspartner wahrnahmen. So war ich erfreut zu hören, dass der Frauenverband nur eine sehr kleine Rolle in unserem Projekt spielt. Er dient als offizieller Kontoinhaber und alle Maßnahmen werden mit ihm abgestimmt, um behördliche Repressionen zu verhindern. Da Familienthemen und Waisen auch in den Zuständigkeitsbereich des Frauenverbands fallen, können die gut vernetzten Mitarbeiterinnen oft Hinweise geben, wo besonders bedürftige Kinder leben oder wo Kinder verwaist sind. In dieser Hinsicht, sowie durch die Hilfestellung bei der Ansprache relevanter Behörden und Dorfadministrationen ist der Frauenverband ein sehr guter Partner vor Ort. Die Verwaltung unseres Geldes und der Kontakt zu den Kindern erfolgt jedoch fast ausschließlich über SC – für mich eine große Erleichterung.

Die Kinder erhalten das Geld immer direkt und müssen für den Erhalt auf jeden Fall selber unterschreiben. Das erste Mal überreicht immer ein/e SC-MitarbeiterIn das Geld, macht sich ein Bild von der Situation des Kindes, erklärt den Zweck der Unterstützung und vermittelt dem Kind, dass es als Partner in diesem Projekt angesehen wird, dass sich Menschen kümmern und hoffen, dass es durch Bildung die Chance auf ein besseres Leben haben wird. Zwischendurch erhält das Kind die Unterstützung von Lehrern oder Mitarbeitern der Dorfadministration weiter ausbezahlt, SC-Mitarbeiter besuchen die Kinder aber regelmäßig und vergewissern sich, dass das Geld voll ausgezahlt und für die Belange des Kindes ausgegeben wurde, sowie dass das Kind tatsächlich weiter die Schule besucht. Nur einmal ist es bisher vorgekommen, dass eine Familie versuchte, das Geld zu erhalten, obwohl die 12- und 14-jährigen Kinder auf Arbeitssuche das Dorf verlassen hatten. Die prompte Feststellung dieses Falls ist ein Zeichen, dass die Kontrolle funktioniert.

"Die Kinder brauchen Zuwendung!" 
Brief-AusschnittDass unser Geld nicht nur hinsichtlich der Kontrolle bei SC in guten Händen ist, belegte auch ein weiterer Zufall: Nachdem ein unterstützter Junge in einem Brief an SC vor allem große Dankbarkeit dafür ausgedrückt hatte, dass sich endlich mal wieder jemand ehrlich für ihn interessiert und Vertrauen in ihn ausgedrückt hatte, hatten die SC-Mitarbeiter die Idee, allen Kindern einen Brief zu schicken. Sie stellten darin sich und uns noch einmal vor, legten einen Rückumschlag bei und baten die Kinder ihre Situation zu schildern. Viele Antworten trafen nun genau in den Tagen meiner Anwesenheit ein, in denen die Kinder in großer Offenheit ihre traurigen Familienschicksale und ärmlichen Lebensverhältnisse schilderten. Alle drückten zugleich den unbedingten Wunsch aus, der Hoffnung in sie gerecht zu werden und sich in der Schule anzustrengen. Beim Lesen saßen wir gemeinsam im Büro, konnten oft die Tränen nicht zurückhalten und versprachen uns gegenseitig, unsere Anstrengungen zu verdoppeln, um noch mehr Kindern helfen zu können. Die SC-Mitarbeiter beantworteten alle der Briefe und zeigten auch so ihre Involvierung in die Schicksale der Kinder.

Weitere Projekte 
Ziegen in "unserem" DorfZusätzlich zu vielen Daueraufträgen bekommt unser Verein regelmäßig auch Einzelspenden, von denen wir einen Teil ebenfalls für die monatliche Unterstützung von Kindern nutzen. Wir wollen jedoch nicht riskieren, dass einmal nicht genug Einzelspenden oder Erlöse aus Aktionen reinkommen und wir bereits unterstützte Kinder wieder aus dem Programm nehmen müssten. Daher finanzieren wir von dem übrigen Geld kleine Einzelprojekte, die sich im Umfeld „unserer“ Kinder verwirklichen lassen und die ebenfalls zu einer höheren Lebensqualität und besseren Entwicklung beitragen sollen. Ein weiteres Ziel meines Besuchs war es daher, mir von der Umsetzung dieser Einzelmaßnahmen ein Bild zu machen.
2005 hatten wir einen Mikrokreditfonds für ein besonders stark von HIV/AIDS betroffenes und sehr armes Dorf eingerichtet, aus dem sich Dorfbewohner Geld liehen, z.B. um Vieh zu kaufen oder eine Anschaffung zu tätigen, die ihnen ermöglichte, ein Einkommen zu erwirtschaften. Die Verbesserung der finanziellen Situation bringt durch bessere Ernährung und eventuell besseren Medikamentenzugang oft eine längere Überlebenschance für die Betroffenen, so dass sie ihren Kindern länger erhalten bleiben und besser für diese vorsorgen können. Unter anderem war von unserem Geld auch eine kleine Gipsfabrik aufgebaut worden, in der HIV-positive Anwohner Stuck für den Bauboom in den nahen Kleinstädten herstellen. Besonders diese Gipsfabrik konnten wir uns nur schwer vorstellen und so fuhren wir an einem Tag in dieses abgelegene Dorf an der Grenze zu Henan. Da SC zwischenzeitlich das Gefühl bekommen hatte, bei der Verteilung der Gelder durch das Dorfkomitee seien Verwandte des Dorfchefs bevorzugt worden, erhält das Dorf außer den direkten Auszahlungen an Gipsfabrikeinige Kinder zunächst keine neuen Zuweisungen. Beruhigend war es aber zu sehen, dass die Gipsfabrik tatsächlich so erfolgreich läuft, dass sie sich selber tragen kann und einige HIV-Positive sowie ein behinderter Mann dort ein recht gutes Einkommen erwirtschaften können. Der Leiter erklärte mir, dass Stuck an Wänden und Decken im Moment der letzte Schrei sei und sie mit der Produktion kaum hinterherkämen. Ich sprach noch mit mehreren Empfängern der anderen Zuwendungen, die sich mal ein Schwein, mal Ziegen oder auch ein Transportfahrrad mit Anhänger gekauft hatten. Es hätte in dem Dorf vielleicht noch bedürftigere Menschen gegeben, was ärgerlich ist, doch ist die Armut dort insgesamt so groß, dass auch diese Empfänger das Geld dringend gebrauchen konnten. Alle haben mindestens ein HIV-positives Familienmitglied und die jeweiligen Anschaffungen scheinen sich für die Familien auszuzahlen. Insofern wirkt unsere Spende trotz einiger Unregelmäßigkeiten für viele Menschen und deren Kinder positiv nach.

SchultoiletteSC hatte uns des Weiteren im Sommer 2006 den Vorschlag zur Unterstützung einer Mittelschule gemacht, da es dort an allem mangele, Tischen, Stühlen und vor allem an hygienisch vertretbaren, heilen Sanitäranlagen. Die Schule ist im gleichen Ort wie unsere erste Familieneinheit. Mindestens die Hälfte der gut 3.000 Einwohner hat in den 90er Jahren Blut verkauft, viele verweigern jedoch den HIV-Test aus Angst vor Stigmatisierung. SC geht daher von einer hohen Dunkelziffer an HIV-Infizierten aus. Der Schuldirektor schilderte mir die Situation, nach der in dieser armen Gegend gerade noch die Gehälter für die Lehrer bezahlt, aber seit Jahren keinerlei Investitionen mehr getätigt werden konnten. Die uralten Tische und Stühle haben zum Teil große Löcher und reichen trotz Weiternutzung auch der kaputtesten Einzelteile schon lange nicht mehr für die gut 300 Kinder aus. Noch dramatischer ist die Situation der sanitären Einrichtungen, die sich die Kinder und Lehrer teilen:  Der Direktor zeigte mir ein altes, halb verfallenes, viel zu kleines Steingebäude neben der Schule mit überlaufenden Rinnen in verstopfte und seit langer Zeit nicht mehr geleerte Plumpsklos, stinkend und voller Fliegen und sicherlich weder für die Psyche noch die Gesundheit der Kinder zuträglich. Wir haben uns also für eine Unterstützung der Schule entschieden und hoffen, dass von unserem Geld die Installation einer Trenntoilettenanlage finanziert werden kann, die zum Beispiel Dünger und Kompost liefern könnte und so einen zusätzlichen Nutzen für die karge Gegend böte.

Fazit
Obwohl ich in China schon viel auf dem Land unterwegs war, war die große und sehr offensichtliche Armut der besuchten Dörfer bestürzend und einige der tapferen Kinder haben mich mit ihren traurigen, wie nebenbei erzählten Geschichten zum Weinen gebracht. So hat mich die Reise sehr motiviert, unsere Anstrengungen fortzusetzen und zu intensivieren, um weitere Kinder in unser Projekt aufnehmen zu können – gebrauchen könnten dies noch Hunderte, wenn nicht Tausende weiterer Kinder. Der Nutzen auch von nur 5 Euro im Monat für die besuchten Kinder war deutlich sichtbar.

Der sehr informative und ereignisreiche Besuch hat bei mir vor allem den guten Eindruck hinterlassen, dass wir den Mitarbeitern von Save the Children sowohl hinsichtlich ihrer Integrität und ihres Engagements als auch hinsichtlich ihrer Vorstellung von den Zielen, die wir mit unserer Unterstützung erreichen wollen, voll und ganz vertrauen können.

In der Zusammenarbeit mit den Behörden bleibt allerdings weiterhin Vorsicht angebracht, denn viele lokale Regierungen kooperieren zwar zunehmend bei Hilfsmaßnahmen, wollen aber keine Öffentlichkeit. Sie befürchten, dass Investoren fern bleiben, wenn sie zu deutlich mit AIDS in Verbindung gebracht werden. Auch für die Betroffenen selber ist die Gefahr der Stigmatisierung trotz aller Aufklärung nach wie vor sehr real. So wurden wir von SC gebeten, keine Orts- oder Nachnamen oder erkennbaren Aufnahmen der Kinder zu veröffentlichen. Wir verzichten entsprechend im Internet und Artikeln wie diesen auf detaillierte Angaben oder eindeutig zuzuordnende Fotos.

Auf Bitte der SC-Mitarbeiter in Anhui und auch der besuchten Kinder bedanke ich mich in ihrem Namen zu guter Letzt ganz herzlich bei allen UnterstützerInnen – die Hilfe kommt an!

Bettina von Reden
 

Lesen Sie bei Interesse weitere Lebensgeschichten einiger unserer Kinder im Bereich -> Projekte - Geschichten der Hoffnung

 
 
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